West Texas Trip

Letzte Woche waren wir, Devon, Satoko, Satomi und ich, für 5 Tage in West Texas auf einer Intensiv- Erlebnisreise. Ja, so würde ich das nennen, denn man hätte locker die gleichen Sachen in 2 bis 3 Wochen machen können, ohne dass einem langweilig geworden wäre. Ziel waren zahlreiche Naturparks, manche davon sind riesige weite unbehandelte wilde Landschaften, wie man sie in Europa aufgrund der Bevölkerungsdichte nicht findet. Übernachtet haben wir im Zelt in den Parks. Wir haben auf dieser kurzen Reise extrem viel erlebt, haben uns richtig ausgepowert und kaum Zeit zum Ausruhen gehabt. Aber es hat sich total gelohnt.

Am Dienstag war ja der 4. Juli, der hier ein Feiertag ist. Da hat es sich angeboten, den Rest der Woche freizunehmen. Glücklicherweise ist es in meiner Firma Tradition, dass man vor langen Wochenenden schon um 3 gehen kann, und so konnten wir dann schon am Dienstag direkt nach der Arbeit losfahren. Die Planung der Reise hat Satoko übernommen. Sie ist eine richtige Wander- und Outdoorspezialistin und hat die Reise perfekt organisiert. Glücklicherweise habe ich Satoko, eine Kollegin von mir, vor ca. 2 Wochen etwas besser kennengelernt, sodass Sie uns angeboten hat, auf diese Reise nach West Texas mitzukommen.

Tag 1: Balmorhea State Park

Solomon Spring im Balmorhea State Park (Foto von Satoko)

Unsere erste Nacht haben wir im Balmorhea State Park verbracht. Das ist eigentlich nur ein in eine Oase in der Wüste gebautes Freibad. Das besondere an dem Freibad ist, dass es eigentlich nur ein angestauter Tümpel ist, der von einer natürlichen Wasserquelle, der San Solomon Spring, in der Wüste gespeißt wird. Außerdem ist es historisch. Für uns war es auch gleichzeitig ein Zwischenstopp für die weiteren Reiseziele, denn die Entfernung war genau passend, dass wir noch in der Dämmerung das Zelt aufbauen konnten.

Tag 2: Chillen am Pool in der Wüste – Sturm – Feuerameisen – Zelt kaputt

Den nächsten Tag haben wir dann an dem Freibad entspannt. Außerdem kam richtig heftiger Wind auf, der unser Zelt weggeblasen hat. Es war unser nagelneues Zelt, das beste, das ich je hatte, nur eine Nacht drin geschlafen, das dann gleich am ersten Tag über den Schotter geblasen wurde. Dabei hat es auch ein paar Löcher bekommen. Oh Mann, ich war so sauer. Satoko war auch sauer, da sie auf ein Feuerameisenbau getreten ist und gebissen wurde. Das tut anscheinend höllisch weh, obwohl Satoko den Biss sofort mit einem speziellen Medikament versorgt hat; ich kann dazu leider zum Glück nicht mehr sagen. Wir waren uns später, nachdem der Ärger abgeklungen war, nicht sicher, was schlimmer ist: Von einer Feuerameise gebissen zu werden oder einige Löcher in sein neues Zelt zu bekommen.

Tag 3: Davis Mountain State Park – wieder Feuerameisen

Das nächste Ziel war der Davis Mountain State Park. Extrem viel Natur und tolle Wanderwege in den Bergen. An diesem Tag wurde Devon von einer Feuerameise gebissen, die irgendwie beim Wandern in ihren Schuh gekommen ist. Die Feuerameisen haben Erinnerungen an ihre Zeit bei den Girls Scouts geweckt. Ich war die ganze Zeit in Sandalen unterwegs, hab’ mir weniger ‘nen Kopp gemacht und wurde nicht gebissen. Aber so ist es ja oft: Es erwischt die, die am meisten aufpassen und Vorkehrungen treffen.

Wandern im Davis Mountain State Park (Foto von Satoko)

Kurz vor Sonnenuntergang sind wir dann nochmal losgefahren, um an einem Sternenvortrag von den Parkrangers auf einem nahegelegenen Berg teilzunehmen. Es war gegen Abend dann ziemlich bewölkt, sodass der Sternenvortrag fast ausgefallen wäre. Bis auf uns sind die anderen Gäste auch alle wieder nach hause gefahren. Als dann der Himmel aufklarte hatten wir einen privaten Vortrag nur für uns. In dieser Nacht musste ich dann wegen der „kalten“ Temperaturen auch das erste mal seit einem halben Jahr eine lange Hose anziehen.

Tag 4:  Guadalupe Mountain National Park – Gewitter auf 2500 Meter

Am nächsten morgen mussten wir dann früh aufstehen um zum Guadalupe Mountain National Park zu fahren. Für den Zeltplatz dort gilt: Wer zu erst kommt, malt zuerst. Reservierungen sind nicht möglich; also sollte man nicht zu spät ankommen. Auch dieser Zeltplatz war extrem schön und mitten in der Natur. Wir hatten uns den Guadalupe vorgenommen, den höchsten Berg in Texas (ca. 2700 m). Vom Zeltplatz direkt am Fuß des Guadalupe ist es eine ca. 7 stündige Wanderung hin und zurück.

Guadalupe National Park

 

Wanderung zum Guadalupe

Den ganzen Tag haben wir am Horizont Gewitter- und Regenfronten gesehen. Über uns waren nur einige Wolken und wir haben uns über die kühlen Temperaturen um die 25 Grad gefreut. Normalerweise wär’ es hier knapp 40 Grad und hätte die Wanderung etwas erschwert. Der Nachteil der niedrigen Temperaturen war das Risiko, ein Gewitter abzukriegen. Aber man redet sich halt ein, dass die Gewitter um einen herum, nicht zu einem herziehen. „Ach, das sind doch mindistens 50 Meilen bis zum Gewitter und das bewegt sich doch gar nicht.“ Auf ca. 2500 m hat es uns dann erwischt. Die Wolken sind recht schnell über die Bergkämme gekommen und haben uns eingehüllt und wir fanden, dass es nun doch an der Zeit wäre umzukehren. 5 Minuten später hat es dann über und um uns herum geblitzt und gedonnert und wie aus Eimern geschüttet. Die Temperaturen sind dann nochmal deutlich gefallen und wir haben ziemlich gefrohren. Wir sind dann im Eiltempo abgestiegen, was aber trotzdem ca. 2 Stunden gedauert hat, bis wir endlich unsere kalten Klamotten ausziehen und uns im Zelt aufwärmen konnten. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir dann noch zu einem Salzsee vor der Gebirgskette gefahren um die Naturkulisse zu bewundern.

Salzsee beim Guadalupe National Park

Tag 5: Carlsbad Caverns National Park

Wir mussten wieder früh aufstehen, da wir eine Höhlentour im Carlsbad Caverns National Park gebucht hatten. Dieser liegt schon in New Mexico und wir wollten uns dort zwei Höhlen angucken. Eine in einer geführten mehrstündigen Höhlenwanderung (etwas anspruchsvoller) und eine andere etwas touristischer mit asphaltierten Wegen drin. Um zur ersten Höhle zu kommen mussten wir vorher eine knappe Stunde durch den Slaughter Canyon wandern.

Slaughter Canyon auf den Weg zur Höhle im Carlsbad Caverns National Park mit Ranger

Die letztere war eine der größten Höhlen der Welt und man brauchte auch mehrer Stunden um sie im zügigen Tempo zu durchqueren. Danach sind wir dann zu unserem nächsten Ziel, den Monahans Sanddünen gefahren, in denen wir zelten wollten.

Tag 6: Monahans Sandhills State Park – Sand, so weit das Auge reicht

Endlich mal ausschlafen. Dies ist mal ‘ne richtige Wüste: nur Sand hier, sonst nix.

Monahans Sandhills (Foto von Satoko)

Am Morgen kam auch gleich ein Ranger vorbei um uns eine „Verwarnung“ zu geben. Mit geschultem Auge hatte er auf unserem Tisch eine leere Bierflasche vom Vorabend erspäht. Öffentlich Bierflaschen zeigen ist in Texas nämlich verboten. Das witzige war aber, dass der Ranger meinte, dass wir Glück hatten, dass sein Chef nicht vorbeigekommen ist. Dieser sei nämlich ein „Dickhead“ (Schwanzkopf) der uns sofort ein Strafgeld dafür aufgebrummt hätte. Dann haben wir noch etwas Zeit in den Dünen verbracht, haben uns noch eine Plastikscheibe ausgeliehen, um die Sanddünen herunterzurutschen. Gegen Nachmittag sind wir dann die siebenstündige Heimfahrt nach Austin angetreten. Auf dem Rückweg haben wir noch in Luckenbach angehalten. Eine kleine Westernsiedlung, die von deutschen Auswanderern vor ca. 100 Jahren gegründet wurde, die für ihre altmodische Westernkneipe mit Biergarten berühmt ist. Hier konnten Devon und ich dann endlich mal unsere Cowboyhüte zum Einsatz bringen.

Comments are closed.